Am 18. Februar 2019 sprachen Cecilie Schjerven und Günther Misof, The Business of Brand Management, mit Heinrich Halbe, David Halbe (Geschäftsführende Gesellschafter) und Steffen Zimprich (Marketing) von HALBE-Rahmen GmbH. 
 


Der Beitrag ist Beginn einer geplanten Serie über inhabergeführte Unternehmen, bei denen sich die Marke aus dem jeweiligen Anspruch des Unternehmers heraus entwickelt. 

 

Heinrich und David Halbe (Geshäftsführung).
BRANDSETTER

„Always give your product a first-class ticket through life.“

David Ogilvy




Go to sleep with a dream and wake up with a purpose! A great product idea doesn't (yet) make a brand. A sustainable, trustworthy brand will only emerge when all entrepreneurial intentions and requirements are embedded in the strategic goal.

DIE GESCHICHTE

Auf HALBE's webseite steht folgenes: "Eigentlich wollte Hubert Halbe eine Buchhandlung eröffnen. Doch 1946 war das in Deutschland nicht so einfach. Da er seine Lehre zum Buchhändler noch nicht abgeschlossen hatte, erhielt er nur eine Ausnahmegenehmigung zur Errichtung einer sogenannten Buchverkaufsstelle. Auf Anraten des Pastors erweiterte er sein Sortiment mit den damals sehr beliebten Heiligenbilder. Daraufhin fragten die Kunden auch nach passenden Bilderrahmen. Die dafür nötigen Holzleisten wurden in dieser Zeit jedoch zumeist zum Heizen benutzt. Doch Hubert Halbe beschaffte das notwendige Material mit viel Improvisationstalent, machte seine Küche zur Werkstatt und die gesamte Familie zu fleißigen Helfern. Das war der Beginn von HALBE-Rahmen."

DIE IDEE

Die Idee des „Einrahmens von vorne“ setzt dann Heinrich Halbe 1960 mit der ersten Serienproduktion um. Und 1973 erfand er durch einen Zufall den Magnetrahmen. Die zündende Idee kam ihm beim Arbeiten an der Zeichenplatte und der Befestigung des Papiers durch Magnete. „So ähnlich müsste das doch auch bei Bilderrahmen möglich sein.“ Allerdings lehnten Handelsvertreter und Fotohandel die neuartigen Magnetrahmen ab, was sich im Nachhinein mit dem Direktvertrieb an Künstler, Galerien, Sammler, Museen und Kunstfreunde als Glücksfall erwies. Der erste Onlineshop wurde – als Pionier der Branche - Anfang der 2000er Jahre eröffnet. Inzwischen gilt HALBE als der Inbegriff hochwertiger, moderner Bilderrahmen.

„AM ANSPRUCH ORIENTIERT“.
Heinrich Halbe

 „Qualität und Design“ kann als Übersetzung der berühmten Leitlinie von David Ogilvy sowie als unternehmensstrategische Orientierung für HALBE angesehen werden. Die Verbindung zur Produktphilosophie einerseits sowie die frühen Kontakte zu Fotografen, Designern und Künstlern andererseits haben die Markenstrategie von Anfang an stark beeinflusst und geprägt. Zurückhaltung, Minimalismus, Gradlinigkeit. Qualität und nochmal Qualität. Aber auch die besondere Sensibilität für das Preis-/Leistungsverhältnis,  eine ausgeprägte Service-Orientierung sowie totale Offenheit und Transparenz sind die tragenden Säulen des erfolgreichen Unternehmens. Und auch seiner gesellschaftlichen Verantwortung ist sich das Unternehmen bewusst: Als ein nicht unbedeutender Arbeitgeber der Region sind Mitarbeiter mit über 30 Jahre Betriebszugehörigkeit keine Ausnahme.

SERVICE UND MEHR MACHEN DEN UNTERSCHIED

Wir sprechen heute von Service Design als dem ausschlaggebenden Unterscheidungskriterium immer ähnlicher werdender Angebote. Bei HALBE war und ist Service schon immer entscheidend. Angefangen mit der Individualität gegenüber Unternehmen wie beispielsweise Amazon. Die laufende Optimierung des Online-Shops mit seinen diversen Modulen, die Information, Auswahl und Bestellung in professioneller Weise anbieten. Die optimale, individuelle Verpackung für jedes Rahmenformat zur Sicherstellung schadenfreier Lieferungen. Aber auch das minimalistische Design-Verständnis, das von BRAUN beeinflusst ist sowie eine Unternehmensstrategie, bei der die Zahlen letztendlich natürlich stimmen müssen, aber von der inzwischen weitverbreiteten Algorithmus-Denke und der reinen Geld-Gier bewusst Abstand nimmt. Auch der Faktor Glück, das man in der Vergangenheit erfahren durfte, wird durchaus anerkannt. Besonderer Erwähnung bedürfen Offenheit und Transparenz der internen Kommunikation. Es gibt kein Thema, kein Problem, in das die Mitarbeiter nicht eingebunden werden. Alles Punkte, die HALBE in der Summe als authentische, vertrauensvolle Marke auszeichnen.

FAZIT

HALBE ist ein perfektes Beispiel dafür, dass Marke – entgegen dem weitverbreiteten Irrglauben –  nicht ausschließlich visuelle Kommunikation bedeutet. Und Brand Management nicht der hirnrissigen Annahme folgend definiert, das Logo in der richtigen Größe in der richtigen Farbe am richtigen Ort zu platzieren. Nein, HALBE ist ein Beweis dafür, dass Marken eigentlich nur noch von Unternehmern geführten Unternehmen glaubhaft entwickelt und gelebt werden können, wie Prof. Dr. Jürgen Häusler, dies in seinem Beitrag „ Wie steht es um die Marke?“ beschreibt (https://www.tbobm.com/voices-wie-steht-es-um-die-marke/). Mit der Auffassung und Mentalität der neuen Marketeer-Generation, die sich  - laut Fachmagazin HORIZONT im April - nur noch für Verkaufszahlen interessiert, wird auf Dauer – selbst im Fall von Großunternehmen – kein Blumentopf zu gewinnen sein.