Hätte, hätte, Lieferkette.
Silber galt lange als das demokratische Edelmetall: wertig genug für den besonderen Anlass, aber bezahlbar genug für den Alltag. Und vor allem: berechenbar. Genau darauf hat der dänische Schmuckhersteller Pandora sein Milliardenmodell aufgebaut. Charm-Armbänder für viele, nicht für wenige.
Doch diese Berechenbarkeit ist verloren gegangen. Der Silberpreis kannte zuletzt nur eine Richtung – nach oben – und auch der jüngste Kursrutsch hat die langfristige Entwicklung nicht wesentlich geändert. Für Pandora, dessen Geschäftsmodell stärker als das vieler Wettbewerber am Silberpreis hängt, ist das kein Randthema, sondern eine strategische Zumutung. Wenn der wichtigste Rohstoff zum Risikofaktor wird, steht plötzlich nicht nur die Marge, sondern das ganze Geschäftsmodell zur Disposition. Die Antwort aus Kopenhagen lautet: Diversifizierung. Weniger Abhängigkeit vom Silber, mehr Offenheit für andere Metalle – sogar für Platin. Ein Material, das im Luxussegment zuhause ist, für Pandora aber vor allem eines bedeutet: Planbarkeit. Denn am Ende entscheidet weniger der Glanz im Schaufenster als die Stabilität in der Kalkulation.
Kann das gelingen? Pandora hat seine Marke nie über das Material definiert, sondern über Bedeutung: persönliche Momente, individuelle Geschichten, ein Luxus, der erreichbar bleibt. Deshalb ist der Blick auf alternative Metalle mehr als eine operative Maßnahme. Denn auch wenn Marken nicht über Rohstoffe sprechen, sind sie Teil des stillen Versprechens. Sie prägen, wie sich ein Produkt anfühlt, wie wertig es wahrgenommen wird und wo es preislich verortet ist. Wer daran rührt, rührt an Erwartungen. Dass Pandora diesen Schritt trotzdem geht, zeigt, wie sehr externe Zwänge heute Markenentscheidungen bestimmen. Rohstoffmärkte, einst Hintergrundrauschen, greifen direkt in Sortiment, Preislogik und Markenwahrnehmung ein. Das betrifft längst nicht nur Schmuck. Viele Marken, man denke nur an Schokolade, stehen vor derselben Frage: Wie flexibel darf man werden, wenn Kosten, Lieferketten und Märkte kippen – ohne das Vertrauen zu verspielen, auf dem die Marke gebaut ist?
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Hier der Link zum Artikel: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/schmuckhersteller-pandora-fluechtet-vor-hohem-silberpreis-in-platin/100197785.html
