Na und? Wir stehn dazu!
Jeder Teenager lernt irgendwann diese Kulturtechnik: Wenn Dich einer hart beleidigt, dann ist Zurückweisen oder Leugnen oft die falsche Reaktion – im Gegenteil, lässig die Achseln zucken und alles zugeben, natürlich ganz selbstironisch, ist manchmal die bessere Option. So haben es die Fans vom 1. FC Köln auch gemacht: Auf den Schmähgesang „Ihr seid nur ein Karnevalsverein“ reagierten sie natürlich im Chor mit „Wir sind nur ein Karnevalsverein“ und trugen die Beleidigung fortan als Auszeichnung. Die Reapprobiation, vulgo: Umdeutung einer Beleidigung, um sympathischer zu wirken – geht das auch bei Marken?
Geht, fanden Forscher vom MIT heraus: Ihre Studie ergab, dass Marken, die unsachliche Kritik oder Beleidigungen für sich umdeuten, dadurch mehr Kundeninteresse schaffen, als durch Ignorieren, Leugnen oder Entschuldigen. Im Experiment wurden dafür verschiedene Reaktionen einer Marke auf besonders gemeine Kundenbewertungen überprüft. Am besten schnitten Aussagen ab wie: „Wir sind ein total veralteter Laden für Spatzenhirne.“ Der Grund: Die Konsumenten nehmen Marken, die sich solche Kritik zu eigen machen, als humorvoller und selbstbewusster wahr.
Aber bevor Sie nun die ganze Stadt mit Ihren Ein-Sterne-Bewertungen plakatieren, raten die Forscher zur Vorsicht: Denn die Sache funktioniert nicht, wenn die Beleidigung von einer schutzbedürftigen Person stammt, wenn die Kritik tatsächlich gerechtfertigt erscheint oder wenn es um sie schwerwiegende moralische Bedenken geht. Wenn also jemand aus Ihrem Team auf kununu als Sexist und Rassist bezeichnet wird, ist das keine gute Story. Und ob der FC tatsächlich nur ein Karnevalsverein ist, entscheidet sich dann am Ende der Saison.
Hier der Link:
https://sloanreview.mit.edu/article/when-brands-wear-an-insult-as-a-badge-of-honor

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