Du kommst hier nicht – umsonst – rein!
Natürlich wissen wir nicht, was und woran Sie glauben, und es geht uns auch nichts an – aber falls Sie katholisch sind, feiern Sie ja vielleicht morgen Fronleichnam. In Köln findet die Feier wie immer nicht im Dom, sondern unter freiem Himmel, auf dem Roncalliplatz, statt. Wenn Sie aber doch in den Dom möchten, dann kostet Sie das demnächst schlappe zwölf Euro. Begründung vom Domprobst: Der Dom koste nun mal viel Geld, und da seien zwölf Euro nur fair. Außerdem wären die Gottesdienste ja weiterhin kostenlos – die Gebühr gilt also nur für die sechs Millionen Touristen, die den Dom zum meistbesuchten Gebäude Deutschlands machen. Aus Markensicht fragen wir uns prompt: Ist das ein klassischer Fall von „Marketing Myopia“, wie ihn Theodore Levitt mit seinem berühmten Beispiel der Mautgebühr für eine Brücke beschrieben hat? Wir wissen: Wer sich nur auf das Produkt und nicht auf den Kundennutzen fokussiert, definiert seinen Markt zu eng. Übertragen auf den Dom: Er ist eben kein Gotik-Museum, das bezahlt werden muss, sondern ein starkes theologisches Symbol, das Himmel und Erde verbindet, und das ist nicht nur in Köln immer noch wichtig. Oder, um es weniger abstrakt zu formulieren: In den Dom kommen viele Menschen, die sonst eher selten in die Kirche gehen – und anstatt sich darüber zu freuen und diese Menschen mal sinnvoll anzusprechen, will die katholische Kirche dafür jetzt Geld haben. Na ja. Wir hoffen, dass wir dafür wenigstens kostenlos in den Himmel kommen.
Oder was meinen Sie?
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