Dann sollen sie doch Donuts essen!

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Aus der Ferne blicken wir mal wieder neidisch nach New York: Heute wegen der coolen Food-Trends, die in der US-Metropole immer wieder aufs Neue entstehen! Man denke nur an den „Cronut“ (die Kreuzung aus Croissant und Donut), den „Tipsy Scoop“ (alkoholischer Eisbecher) oder die „Lobster Roll“. Und jetzt gibt es schon wieder etwas Neues, das die New Yorker Schlange stehen lässt: Brot! Soweit wir es verstanden haben, geht es dabei um ein ganz normales Roggenbrot, dass von einem „Grazer Traditionsbäcker“ namens RYE by Martin Auer in SoHo für 60 (in Worten: sechzig) Dollar pro Stück feilgeboten wird, mit riesigem Erfolg. Aus Markensicht stellt sich prompt die Frage, wie eine derartige Preisbereitschaft erzielt werden konnte. Bietet das Brot denn einen überragenden funktionalen Nutzen – geschmacklich oder gesundheitlich? Das können wir wohl ausschließen. Und wie sieht es dann mit dem emotionalen Nutzen aus? Schafft das Brot Status und Selbstwert, Zugehörigkeit oder Geborgenheit? Das kann schon sein: Wer möchte, mag sein Roggenbrot als ultimativen Ausdruck von wertvoller Handwerkskunst betrachten; oder sich über den hohen Preis seines sozialen Status versichern (der Veblen-Effekt). Aber ist das allein der Grund für die leergefegten Bäckereiregale?

Halt, ruft da der engagierte Soziologiestudent: Dieses Brot ist nur ein Symbol für Late-Stage-Kapitalismus! Brot – historisch das günstigste Nahrungsmittel der Arbeiterschicht – wird hier künstlich von seinem eigentlichen Nutzwert entkoppelt und zum exklusiven Luxus- und Lifestyle-Objekt gemacht für Reiche gemacht. Und wer für ein Grundnahrungsmittel so viel Geld verlangt (und bekommt), handelt zutiefst unmoralisch! Na ja. Zurecht weist Martin Auer darauf hin: „Wir haben kein Monopol auf Brot!“ Wer das Brot nicht kaufen will, kriegt woanders günstigeres. Und klar ist doch: Wer seine Sinne noch beieinander hat, der wird bei diesem Brot-Hype gar nicht mitmachen. Apropos Hype – wir denken: Die Aufregung um das blöde Brot ist nicht Nebeneffekt, sondern Erfolgsfaktor. Gutes Marketing hat diese Phase extremer, emotional aufgeladener Aufmerksamkeit geschaffen. Insta-Bait und FOMO – fear of missing out – treiben dann Menschen in den Laden. Und wie immer flacht der Hype irgendwann ab, und der Grazer Traditionsbäcker muss sich überlegen, wie es weitergeht. Wir warten dann mal auf den nächsten Food-Trend aus New York und kaufen uns solange bei unserem Kölner Bäcker das „Ur-Roggen“. Für immerhin 8 Euro das Kilo.

Oder was meinen Sie?

Hier der Link: https://www.businessinsider.de/wirtschaft/60-dollar-fuer-ein-brot-lidl-zieht-hype-baecker-in-new-york-auf/

24. September 2026
Ein Beitrag von:
Alexander Rauch

Alexander Rauch ist Managing Partner von Spirit for Brands, einem auf die Themen Markenpositionierung, Markenstrategie und Markenmanagement spezialisierten Beratungsunternehmen in Köln.

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