Eine „neue Studie“ – so viele Fragen.

TO BE DISCUSSED

Auch wir brauchten eine Weile, um uns vom völlig überraschenden Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM zu erholen – deshalb sind wir diese Woche etwas später dran mit unserem Newsletter. Und als wäre das noch nicht schlimm genug, müssen wir von der Unternehmensberatung Roland Berger lesen: „Neue Studie – Marken verlieren an Einfluss.“ Die Formulierung „neue Studie“ ist ja manchen in der Marketing-Community gleichbedeutend mit „zukünftige Wahrheit“, und die entsprechenden Inhalte finden fortan bedenkenlos Einzug ins Management – wobei die Headline schon genug Inhalt ist. Wir sind da, genau wie Sie, liebe Leserin, lieber Leser, etwas kritischer und schauen tatsächlich mal rein, in die Studie In dem Fall lesen wir: „Nur noch 21 Prozent der Befragten nennen Markenreputation als einen der drei wichtigsten Kaufgründe. Gleichzeitig steigen persönliche Netzwerke zur zweitwichtigsten Produktquelle auf: 40 Prozent entdecken Produkte über Freunde und Familie, 21 Prozent über direkte Peer-Empfehlungen.“ Und da haben wir gleich so viele Fragen: Seit wann geben Konsumenten zu, sie würden sich von „Markenreputation“ in der Kaufentscheidung beeinflussen lassen? Wenn es „nur noch“ 21 Prozent sind – wie viel waren es früher? Wenn die persönlichen Netzwerke die „zweitwichtigste Produktquelle“ sind – was ist dann die wichtigste? Und, überhaupt, was ist eine „Produktquelle“? Und wenn Freunde und Familie (offenbar die Produktquelle?) dann ein Produkt empfehlen, empfehlen sie dann wirklich nur ein „Produkt“ („empfehle dir diese webfähige Multifunktions-Küchenmaschine, die gleichzeitig …“) oder vielleicht doch eine Marke („ich liebe meinen Thermomix!“). Hat denn Empfehlung nichts mit Marken zu tun? Und, schließlich, sollte eine renommierte Unternehmensberatung nicht in der Lage sein, ihre Studienergebnisse mit einem Mindestmaß an Sinn und Sorgfalt zu beschreiben? Zu viele Fragen für eine kleine Studie?

Was meinen Sie?

Hier der Link:
https://www.rolandberger.com/de/Media/Newsroom.html#/pressreleases/neue-studie-marken-verlieren-an-einfluss-ki-und-wirtschaftliche-unsicherheit-veraendern-das-konsumverhalten-3456742

4. Juli 2026
Ein Beitrag von:
Alexander Rauch

Alexander Rauch ist Managing Partner von Spirit for Brands, einem auf die Themen Markenpositionierung, Markenstrategie und Markenmanagement spezialisierten Beratungsunternehmen in Köln.

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