Tod durch Gierflation?
Für die globalen Luxusmarken war seit dem Millennium eigentlich immer alles super: Wenn nicht gerade Finanzkrise oder COVID war, stiegen Nachfrage und Umsatz stetig an. Im gleichen Zeitraum setzte sich das „Value-based Pricing“ endgültig durch – von der Luxusindustrie allerdings interpretiert als „Einfach, weil wir es können.“ Konkret: Die Preise haben sich in den letzten zehn Jahren durchschnittlich mehr als verdoppelt, und bei einigen Marken locker verzehnfacht. Und ja, es gibt die jungen Erben, die Celebs und die Milliardäre, die das irgendwie gar nicht mitbekommen haben. Aber es gibt eben auch die Kundinnen und Kunden, die durchaus „etabliert“ oder „aufstrebend“ sind und genug verfügbares Einkommen hätten – sich aber fragen, ob Preis und Leistung noch in halbwegs angemessenem Verhältnis stehen. 1.200 Euro für den Rimowa „Original Cabin“? 1.690 Euro für eine klitzekleine Re-Edition Tasche von Prada aus, äh, Nylon, made in China? Und während vormals der Kauf einer Luxusmarke hedonistische Emotionen auslöste – Stolz, Freude, Selbstwert, Status – drängeln jetzt Gefühle ins limbische System, die Gift für’s Geschäft sind: Unruhe, Angst vor Kontrollverlust, Wut. Was man eben so fühlt, wenn man merkt: Man soll hier gerade reingelegt werden. Laut Bain & Company haben die etablierten Luxusmarken auf diese Weise bereits 50 Millionen Kunden verloren. Kunden, die übrigens weiter Koffer und Taschen kaufen. Hier liegt die Chance für Marken, die herausragende Qualität, zeitgemäßes Design und nachvollziehbaren Mehrwert liefern. Marken wie Rixo oder Polène zeigen, wie das geht. Wir fragen uns: Haben sich die „alten“ Luxusmarken aus Gier soeben selbst umgebracht? Oder sind sie einfach nicht totzukriegen?
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