Wer kriegt hier eigentlich die Krone?
Die Marke König Pilsener soll moderner und jünger wirken, eine klarere Rolle im Alltag der Jüngeren spielen – ohne dabei die treuen Fans zu verlieren oder die alten Assets zu opfern. Statt den Claim auszutauschen, wird er deshalb umgedeutet: Die Krone wandert vom eigenen Kopf auf den der anderen. „Heute ein König“ heißt jetzt: Du hast dir das verdient, nicht ich – erzählt in kleinen, alltagsnahen Szenen wie der Umzugshilfe, der spontanen Klaviereinlage in der Kneipe oder dem schlichten „Danke, dass du da warst“. Aus dem alten Gönn-dir-Satz wird eine Währung für Wertschätzung.
Parallel dazu wird das Erscheinungsbild nachgezogen: mehr Rot, ein behutsam überarbeitetes Logo und ein Claim, der nun fest im Logo sitzt und sich konsequent über Flaschen, Dosen und Packungen zieht. Kein radikales „Wir sind jetzt ganz anders“, sondern eine sichtbare Schärfung des bestehenden Profils.
Als Markenberatung würden wir trotzdem ein kleines Fragezeichen stehen lassen: Reicht diese Drehung, um wirklich bei der jüngeren Zielgruppe anzudocken – einer Generation, die eher auf Diversität, Augenhöhe, weniger Status und oft auch weniger Alkohol setzt? Der Begriff „König“ trägt patriarchale und hierarchische Bilder mit sich herum, die nicht automatisch zu Gemeinschaft, Nahbarkeit und Balance passen. Die Richtung – weg vom Ich, hin zum Du – stimmt. Ob die alte Krone dafür das richtige Symbol bleibt, wird weniger in der Strategiepräsentation entschieden als im echten Leben: an Tresen, in Freundeskreisen – und bei denen, die sich diese Krone am Ende wirklich aufsetzen lassen wollen.
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